„Es ist unsere Verantwortung, dass das braune Gesocks nicht noch stärker werden kann!“

Rede bei der Kundgebung „Für Akzeptanz und Vielfalt“ auf dem Uni-Campus Westend der Goethe-Universität, Frankfurt am Main, 14. April 2018

Mir ist völlig unverständlich, dass die Goethe-Universität und ihre Präsidentin, Birgitta Wolff, schwulenfeindlichen und antifeministischen Aktivisten um den Soziologen Gerhard Amendt Räumlichkeiten für ihren Kongress „Familienkonflikte gewaltfrei austragen. Gewaltkarrieren wirksam vorbeugen“ zur Verfügung stellt. Gerhard Amendt gilt als führender Vertreter der antifeministischen ‚Männerrechtsbewegung‘, für den Homosexuelle „Perverse“ sind. Allein dass in Räumen der Goethe-Universität ein solcher Kongress überhaupt stattfinden kann, ist ein Skandal. Es ist noch nicht lange her, da wäre das nicht möglich gewesen. Die Studierenden hätten das nicht zugelassen. Ja, die Universität hätte sich gar nicht erst getraut, das zu genehmigen.

Der Einzug der AfD in Bundestag stellt einen Dammbruch dar. Rassismus, Homophobie und andere Formen gruppenspezifischer Menschenfeindlichkeit machen sich breit. Es ist kaum auszuhalten, dass die rechten Herrschaften im Bundestag völlig ungestraft ihr Gift verspritzen können. Die sitzen da, verbreiten Rassismus und niemand macht was dagegen. Und deshalb ist es umso wichtiger, dass der Widerstand gegen diese Menschenverachtung aus der Gesellschaft kommt, dass wir heute hier sind und sagen „Nein, da gehen wir nicht mit, dem stellen wir uns entgegen“. Diese Leute da drin sind eine Vorfeldorganisation der AfD. Die bereiten der AfD den Boden und da muss man einschreiten. Es ist unsere Verantwortung, dass dieses braune Gesocks nicht noch stärker werden kann!

Dass unser Widerstand wirksam ist, merkt man daran, dass sie sich mit allen Mitteln dagegen vorgehen. Meine Kollegin Pearl Hahn, Stadtverordnete der LINKEN im Römer, aber auch der LSVD, queer.de und viele andere haben strafbewehrte Unterlassungsklagen bekommen. Das heißt, sie müssen gegen Übernahme der Anwaltskosten von 1.500 Euro versichern, dass sie die Vorwürfe gegenüber Herrn Amendt nicht wiederholen, weil sie sonst eine Klage auf 30.000 Euro an den Hals kriegen. Da merkt man, wir haben sie da getroffen, wo man sie treffen muss. Und wir lassen uns nicht einschüchtern. Ich wiederhole an dieser Stelle: Herr Amendt ist homophob. Da soll er mich bitteschön auch verklagen.

Damit das nicht im luftleeren Raum stehen bleibt, will ich Herrn Amendt zitieren:

Es ist das eine, Perversionen als individuelles Schicksal diskriminierungsfrei zu dulden, solange die Perversion nicht agiert wird. (…) So kann Duldung dazu führen, dass das Selbstbild des Perversen auf die Gesellschaft ausgedehnt wird, etwa wenn Ehelichkeit und Elternschaft für Homosexuelle gefordert werden (…)“.[1]

Das ist homophob und ich finde, man muss das auch so nennen.

Ich finde es gut, dass wir hier auch gemeinsam mit der Frauenbewegung stehen, weil er tatsächlich die Frauenhäuser dicht machen lassen wollte. Ich zitiere aus der TAZ:

„In Frauenhäusern pflegen ‚Ideologinnen‘ ihren ‚Männerhass‘, der ihnen ‚narzisstische Hochgefühle‘ beschert. Mit ihrer ‚antipatriarchalen Kampfrhetorik‘ manipulieren sie ‚in schwer erträglicher Atmosphäre‘ verwirrte ratlose Frauen ‚in Opferpositionen‘ hinein.“[2]

Das behauptet der Herr Amendt und ich finde es unsäglich, dass solche Leute an einer deutschen Hochschule Vorträge halten dürfen.

Ich habe die Präsidentin der Goethe-Universität in einem Offenen Brief dazu aufgefordert, diese Veranstaltung zu verhindern. Ich finde es beschämend, dass sie sich hinter der Raumvermietungsgesellschaft versteckt und nicht zu ihrer Entscheidung steht. Ich glaube, ich bin der einzige, der von ihr eine Antwort bekommen hat, die mich allerdings mehr aufgeregt hat, als hätte ich keine bekommen. Ich lese aus dem letzten Absatz vor:

„Meinungsfreiheit ist eines der höchsten Güter in unserer Demokratie. Wir vertreten an der Goethe-Universität – unterstützt durch unser Leitbild – die Auffassung, dass diese auch für unbequeme, ja schwer erträgliche Positionen gilt, sofern diese sich im Rahmen der freiheitlich-demokratischen Grundordnung bewegen. Für die Entwicklung unserer demokratischen Kultur wäre es womöglich hilfreicher, wenn souveräne Demokraten häufiger in die – wenn nötig auch harte – inhaltliche Auseinandersetzung mit solchen Positionen gingen, als den Versuch zu unternehmen, diese zu tabuisieren.“

Mit Verlaub, Rassismus, Homophobie und jede Form von gruppenspezifischer Menschenfeindlichkeit haben mit Meinungsfreiheit nichts zu tun. Wir stehen hier hinter dem IG-Farben-Haus und wir sind uns der Verantwortung bewusst in diesem Land, alles zu tun, dass das nie wieder passiert, was hier passiert ist. Und deswegen verteidigen wir das Tabu. Wir wollen nicht, dass so etwas zum Meinungsspektrum gehört. Vielen Dank.

 

[1] http://www.dijg.de/paedophilie-kindesmissbrauch/verstehen-strafen-lobbygruppen-sexualform/

[2] TAZ vom 23.06.2009

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