Gegen krankmachende Arbeitsbedingungen bei Amazon!

Beitrag zum Forum „Taktgeber des digitalen Kapitalismus“ der Fraktion DIE LINKE. im Bundestag , Stadthalle Bad Hersfeld, 13. April 2018

 Gegen krankmachende Arbeitsbedingungen 

Amazon gehört zu den erfolgreichsten Unternehmen weltweit. Es hat mit seiner aggressiven Marktstrategie dazu beigetragen, dass kleine Unternehmen nicht mehr mithalten können und der Händler um die Ecke seinen Laden schließen muss. Die Expansionsstrategie wird kontinuierlich vorangetrieben. Jeff Bezos steht mit einem Vermögen von 126 Milliarden Euro jetzt auf der Rangliste der Milliardäre auf Rang Eins.

Diese ungeheure Summe kann man mit „anständiger“ Arbeit unmöglich verdienen. Sie wurde von den Arbeiterinnen und Arbeitern erarbeitet und zwar unter katastrophalen Arbeitsbedingungen. Des einen Reichtum ist der anderen Armut. Die Summe von 126 Milliarden Euro macht deshalb zugleich deutlich, welches Ausmaß die Ausbeutung bei Amazon hat.

Auch wenn Amazon inzwischen in Deutschland mit Betrieblichem Gesundheitsmanagement wirbt, bleibt das Thema „Gesundheit und gesunde Arbeitsbedingungen“  eine große Baustelle bei Amazon. An den Standorten in Polen ist die Situation sogar noch schlimmer als in Deutschland! Die von Amazon propagierten Aktivitäten im Bereich der Prävention und Gesundheitsförderung können nicht darüber hinwegtäuschen, dass Arbeitsverhältnisse und -prozesse auf maximale Produktion, Gewinn und Profit ausgerichtet sind.

Fortschrittliche Konzepte der Prävention beinhalten, dass Arbeitsaufgaben möglichst vielfältig und mit variierendem Belastungsniveau sein sollen. Der Vorreiter des digitalen Kapitalismus arbeitet mit tayloristischen Prinzipien, die mittels modernster Technologie perfektioniert werden. Das bedeutet: Zergliederung von Arbeitsschritten, monotone Arbeit unter massivem Zeit- und Leistungsdruck, einseitige körperliche Belastungen und lange Wege, die täglich zu bewältigen sind. Nicht nur körperlich ist das belastend. Vorgegebene Leistungsnormen und Arbeitsgeschwindigkeiten, beständige Überwachung der Leistungsfähigkeit und Bewertung der jeweiligen Leistungswerte führen zu einem permanenten Druck für Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Zugleich halten auch Befristungen von Arbeitsverträgen Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer „in Schach“.

Befristung sorgt dafür, dass Menschen sich krank zur Arbeit schleppen, weil sie Angst um ihren Arbeitsplatz haben. Wer um den nächsten Arbeitsvertrag bangt, wird seltener wagen, für seine Interessen einzutreten und sich zu organisieren. In einem Betrieb, in dem wir uns aus Mangel an Zeit, im Kampf um den Erhalt der Stelle oder die Verlängerung des befristeten Arbeitsvertrags nicht mehr austauschen oder vertrauen können, verlieren wir eine wichtige gesundheitliche Ressource, nämlich sozialen Zusammenhalt.

Prävention und Betriebliche Gesundheitsförderung dürfen nicht auf ein Instrument der Imagepflege von Unternehmen reduziert werden.  Zu fordern sind stattdessen sichere und gesundheitsförderliche Arbeitsbedingungen. Was dazu gehört?

  1. angemessene Bezahlung, langfristige Arbeitsverträge
  2. ergonomisch gestaltete Arbeitsprozesse
  3. ausreichende Ruhepausen anstatt permanenter Arbeitshetze
  4. Unterstützung des sozialen Miteinanders anstatt Vereinzelung
  5. Beteiligung der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter
  6. Unterstützung anstatt Disziplinierung
  7. Respekt, Anerkennung und Wertschätzung der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter – nicht aber Kontrolle, Misstrauen und Überwachung

Befristungen sind ein Machtmittel. Deshalb setzt sich DIE LINKE seit langem für die Abschaffung sachgrundloser Befristungen ein.

Kämpfen wir für gesunde und gesundheitsförderliche Arbeitsbedingungen! Amazon ist, gemessen am Börsenwert, das zweit“wertvollste“ Unternehmen der Welt. Es zeigt, wie der (digitale) Kapitalismus tickt und wir müssen damit rechnen, dass andere diesem „Vorbild“ folgen.

Deshalb und natürlich aus Solidarität mit den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern ist es auch an uns, Einspruch zu erheben und für gesunde und faire Arbeitsbedingungen einzutreten.

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