Grußwort zum Internationalen Kobane-Tag am 01.11.2019

Liebe Bürgerinnen und Bürger, liebe Kurdische Gemeinde,

der sogenannte Islamische Staat hat weite Teile der Welt mit unmenschlichem Terror und Gewalt überzogen. Sie haben in Syrien, im Irak und auch hier in Europa Unschuldige ermordet. Sie haben die Menschen physisch und psychisch in Geiselhaft genommen. Kurdinnen und Kurden haben für ihre Freiheit, ihre Form der Basisdemokratie und Menschenrechte gegen den unmenschlichen IS gekämpft, bereits zu einem Zeitpunkt, als die Staaten der internationalen Gemeinschaft aus eigenen Interessen nicht schnell genug reagiert haben. Viele der Kurdinnen und Kurden haben dabei ihr Leben verloren und ihre Familien zurückgelassen, für eine Zukunft in Frieden und Freiheit!

Als die Stadt Kobane im Jahr 2014 von den dschihadistischen Terroristen angegriffen wurde, standen viele westliche Staaten aus strategischen Gründen hinter den Frauen und Männern Rojavas, Seite an Seite mit den tapferen Kämpfer*innen von YPG und YPJ. Heute, fünf Jahre nach dem Kampf um Kobane, haben die USA und die Europäische Union die Menschen in Nord- und Ostsyrien dem Despoten aus Ankara ausgeliefert.

Der türkische Präsident Erdogan ist mit seiner Armee und deutschen Waffen in die Demokratische Föderation Nord- und Ostsyrien einmarschiert. Wieder müssen die Kurdinnen und Kurden ihre Freiheit und das Land, auf dem sie leben, verteidigen. Wieder zögern die Staats- und Regierungschefs in den USA und Europa statt zu handeln!

Für mich ist ganz klar, dass die Zukunft Syriens nicht ohne die Frauen und Männer der Demokratischen Föderation Nord- und Ostsyriens gestaltet werden kann. Die Völker können nur gemeinsam und nicht gegeneinander ein basisdemokratisches Projekt, wie Rojava es ist, aufbauen.

In diesem Projekt sind alle gleich, unabhängig von Herkunft, Religion oder Geschlecht. Den Frauen kommt eine wichtige Rolle dabei zu. Sie gestalten die Region aktiv mit und kämpfen in den Reihen der Frauenverteidigungseinheiten gegen die anrückende türkische Armee, so wie sie vorher gegen die Todesschwadronen des IS kämpfen mussten. Rojava ist auch eine feministische Idee in einer konservativen Region, in der das Patriarchat das Leben der Menschen dominiert. Die Menschen in Rojava haben der Welt gezeigt, dass eine Revolution der Frauen stärker ist als alle Formen der Gewalt.

Ich möchte diesen Frauen danken, sie kämpfen für uns und alle freien Menschen in Syrien!


DIE LINKE. ist klar gegen Auslandseinsätze und Waffenexporte. Die Waffen, die die Bundesrepublik exportiert, landen schnell und ohne Kontrollen in den Händen von Terrorgruppen oder Despoten. Es liegt auch an uns, ob Menschen in Syrien und anderen Teilen der Welt leiden müssen. Wir haben Stimmen, wir müssen sie nur erheben!

Die Vereinigten Staaten agieren in Syrien, wie an vielen anderen Orten, gegen das Völkerrecht. Ihre neueste Ankündigung zeigt, um was es der Regierung in Washington geht. Es geht nicht um den Schutz von Menschenleben, es geht ihnen um Ressourcen. Sie wollen Panzer schicken, um die Ölquellen zu schützen und nicht um Kinder, Frauen und Männer zu verteidigen.


Kurdinnen und Kurden, Aramäerinnen und Aramäer und Araberinnen und Araber verteidigen ihre Errungenschaften gemeinsam. Es handelt sich also nicht um einen Kampf um Kurdistan, es ist der Kampf aller freien Völker im Norden und Osten Syriens.

Ich möchte Sie heute ganz herzlich aus Palästina grüßen, wo ich mich über die Gesundheitsversorgung in Gaza und dem Westjordanland informiere. Auch die Menschen hier leiden unter Besatzung und Krieg, lasst uns sie bitte nicht vergessen.


Und genau wie wir solidarisch mit den Menschen in Kobane sind, so müssen wir solidarisch mit den Menschen in Gaza sein. Auch in Palästina geht es um die Freiheit.


Hoch die internationale Solidarität!